Rhetorik-Seminar. Eigentlich habe ich das doch nicht mehr nötig, oder? Immerhin habe ich schon ungezählte Reden gehalten, vor kleinen Gruppen und großem Auditorium. Mit den Jahren hat auch die Nervosität nachgelassen. Die Rückmeldungen waren zumeist positiv, bis auf: „Du bist zu schnell“. Naja das könnte man ja auch noch alleine in den Griff bekommen.

Als Verfechterin des lebenlangen Lernens mit der Überzeugung, dass man (und speziell ich) überall noch besser werden kann und Lorbeeren ins Rotkraut gehören und nicht auf die Couch, um sich darauf auszuruhen, habe ich mich also zum Seminar angemeldet. Bei Heitsch und Partner, Motto: Training erfolgreich erleben. Dass dies nicht nur ein billiger Marketing-Spruch ist, sondern Realität konnte ich in der Vergangenheit beim Coach-Seminar schon erfahren. Jetzt also Rhetorik. Ich hatte zwar keinen Spaziergang erwartet, aber mit diese Intensität hatte ich dann doch nicht gerechnet. Ganze 4 Teilnehmer sind wir, da bekommt man etwas für sein Geld. Mal kurz chillen und nicht bei der Sache sein fällt aus.

Nachdem wir mit erstem theoretischem Rüstzeug ausgestattet sind, geht es zum Reden schreiben. Jeder Teilnehmer bekommt ein auf ihn zugeschnittenes Thema, über das er 3 Minuten vor der Kamera referieren soll. Meines lautet: Der Mittelstand ist weit entscheidender für die Konjunktur als die Großkonzerne. Vorbereitungszeit eine 3/4 Stunde, wobei zur Erarbeitung des Themas nur 15 Minuten angesetzt sind. Der Rest dient dem Üben des Vortrags. Und das ist bitter nötig. Ein Blick in die Videoaufzeichnung verrät die groben Schnitzer in Mimik, Gestik und Formulierung.

Die 2. Chance kommt am Nachmittag. Und das neue Thema liegt mir so gar nicht, aber ein Rhetorik Seminar bei Herrn Heitsch ist ja auch kein Kindergeburtstag. Ausgerechnet ich soll ein 3 Minuten Statement abgeben mit dem Titel: Wir hätten in Deutschland Vollbeschäftigung wenn die Frauen nicht in die Jobs gedrängt würden. Au Backe. Ich würde jede/jeden steinigen der mir damit käme und nun soll ich das Ganze verkaufen. Anscheinend treffe ich den richtigen Ton. Meine Kollegen sitzen im Auditorium und kriegen bei meinen Worten und speziell bei der von mir herauf beschworenen weichen Mutterbrust glänzende Augen (aus welchen Gründen sei hier dahingestellt).

Der Spruch des Tages geht an meinen „Kollegen“ Thorsten: Believe me, I am a Salesman. Wir liegen fast unter dem Tisch vor lachen.

Vor dem Abendessen ein bißchen laufen gewesen zur Entspannung, einmal rund ums Ahrensburger Wasserschloss, denn abends stehen Aufgaben an. Gleich morgen früh geht es mit der nächsten Rede weiter: Argumentation aus Gegenposition. Diesmal dürfen wir uns das Thema aussuchen. Nach langem Überlegen entscheide ich mich für: Jungen sind die Verlierer des Bildungssystems.

Gegen 22 Uhr bin ich fertig: mit meinem Manuskript, mit diesem Blogeintrag und mit den Nerven. Jetzt noch kurz twittern und dann von Cato träumen: Ceterum censeo Carthaginem esse delendam

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