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Foto: lama-photography, www.photocase.com

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Maria durch ein Dornwald ging ist eines meiner Lieblings-Weihnachtslieder (der kirchlichen), hier vorgetragen vom Thomaner Chor Leipzig

Der nachfolgende Text zur Erläuterung des Liedes ist am 7. Dezember 2008 in der Bistumszeitschrift Paulinus erschienen und wird mit freundlicher Erlaubnis vom Verlag veröffentlicht.

Maria durch ein‘ Dornwald ging …“

Ein Adventslied und seine Botschaft von Georg Bätzing

Wie bringt man Kindern etwas über die komplizierte Welt der Erwachsenen bei? Am besten mit einfachen Worten, die die Wahrheit nicht verschleiern, aber Kindern auch nicht die ganze Weite zumuten, die sie später einmal selber entdecken müssen. Wie führt man Gotteskinder in die Tiefen der göttlichen Wahrheit ein? Am besten genauso: mit einfachen Worten, die die Wahrheit nicht verschleiern und sie doch auf eine Weise anbieten, die wir kleine Geister und enge Herzen aufnehmen können.

So tut es das bekannte Adventslied und eignet sich damit zur geistlichen Vorbereitung auf Weihnachten besonders gut. Es klingt wie ein Kinderlied und enthält doch viel Wahrheit über diese Welt, über unsern Gott und den Weg der Erlösung. Bereits im 19. Jahrhundert war es in Thüringen und im Paderborner Raum als Wallfahrtslied verbreitet, bevor es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem der populärsten Advents- und Weihnachtslieder wurde. In sieben Strophen verbindet es zwei Motive: den Besuch Marias bei Elisabeth und die Erinnerung an die Taufe Jesu.

Der „Dornwald“ ist die Welt, wie sie durch uns Menschen und unseren Hang zur Überheblichkeit, zum immer Mehr und immer höher Hinaus geworden ist. Mit dem Garten des Paradieses wollte sich schon der Mensch am Anfang nicht zufrieden geben. Von allen Früchten zu essen außer vom Baum der Erkenntnis, das reichte ihm nicht. Er wollte sein wie Gott, wollte ganz nach oben – und fiel ganz tief hinab. Durch menschliche Schuld ist aus dem Rosengarten der Welt ein kahler Wald geworden, dornig und unwirtlich. Es bedarf nicht vieler Argumente, um das zu belegen. Einmal die Zeitung aufschlagen, einmal die Nachrichten hören reicht aus, um zu wissen, in was für einer Welt wir leben.

„Jesus und Maria“ – so endet jede Strophe. Zwischen der schwangeren Mutter und ihrem Kind besteht eine ganz enge Verbindung. Sie trägt den Erlöser in sich, trägt den Heiland auf dem Weg zu ihrer Verwandten Elisabeth durch diese unheilvolle Welt. Sie tut es gewiss nicht ohne Mühe, wohl aber „ohne Schmerzen“, behauptet die zweite Strophe. Das ist ein Hinweis auf den außergewöhnlichen Ursprung dieses Menschenkindes. In ihm hat Gott mit seiner Schöpfung einen neuen Anfang gewagt, und Maria hat sich einladen lassen, dabei mitzuwirken.

Die Welt blüht auf, wenn der Retter kommt, singt die dritte Strophe. Die Rosenblüte ist Jesus selbst. Das Zweiglein, aus dem sie hervorbricht, ist Maria: nicht kahl, wie tot ohne Laub, sondern grün, voll von lebendigem Glauben. „Jesus und Maria“, so kann man nur immer wieder vertrauensvoll rufen, im Advent und zu jeder Zeit. Vielen Menschen sind diese beiden Namen zum letzten Gebet geworden, bevor sie starben: Jesus und Maria.

„Christus“, das ist der Name des Erlösers von Anfang an, weiß die vierte Strophe: verheißen von Gott, ersehnt von den Frommen im Gottesvolk, geschaut von den Propheten, der Messias, Gott mit uns. Sein Anfang reicht weit über das Sehnen gläubiger Menschen hinaus. Er war, bevor die Welt erschaffen wurde. Er war, bevor das ganze Drama von Freiheit und Sünde und Umkehr der Menschen begann. Er war schon im Anfang bei Gott.

Die sechste Strophe provoziert: Wem gehört die Welt? Uns jedenfalls nicht, das müssen wir eingestehen. Manchmal spüren wir sogar, dass wir nicht einmal Herr über die kurze Zeitspanne sind, die Gott uns geschenkt hat. Wem gehört die Welt? Jesus gehört die Welt. Ihm gehören Himmel und Erde. Er ist ihr Anfang und ihr Ziel.

Unbegreiflich ist der Weg, den er gewählt hat, um allen Menschen Heiland zu werden. Er hat sich in den Dornenwald hineingewagt und schließlich sein Leben aufs Spiel gesetzt. „Christkindlein“, das mag niedlich klingen, gemeint ist: Im Schoß der Jungfrau Maria wächst mit dem Kind zugleich Gottes Reich heran, die neue Welt; ein neuer blühender Lebensraum für uns Menschen.

Auch in dieser letzten Strophe bleibt die Melodie getragen, vorsichtig, geradezu melancholisch. Echte Vorfreude auf Weihnachten blendet das harte Los nicht aus, das am Ende seines Lebens auf Jesus wartete. Sein Weg führt ans Kreuz. Der Weg der Erlösung führt nicht daran vorbei. Der Sieg des Lebens hat seinen Preis. Erst nach Ostern kann Paulus spötteln: „Verschlungen ist der Tod vom Sieg. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel, dein Dorn? Gott sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch Jesus Christus, unsern Herrn“ (1 Kor 15, 54-56). Denn seit Ostern wandelt sich der Dornwald wieder zum Rosengarten für die Menschen, auch für uns. Und nicht ohne uns: Denn wir sollen beitragen zur Verwandlung, sollen mit Jesus und Maria durch den Dornwald gehen, wo die Stacheln heftig stechen, wo sie Menschen Wunden schlagen und Leid zufügen. Unsere eigenen Sünden, so sagt ein altes Adventsgebet, halten das Heil noch auf. Ehrlicher Glaube dagegen öffnet Tür und Tor für Gottes Heil.

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