„Lass stecken“ der LZG Rheinland-Pfalz

Nichtraucherkamapgne "Lass stecken “Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz

Wann genau meine Raucherkarriere begann kann ich heute nicht mehr sagen. Es muss irgendwann 1976 gewesen sein. In unserer Klasse gab es entweder die Streberliesen (zu denen man mich beim allerbesten Willen nie zählen konnte) und die Coolen (zu denen ich mich gerne gezählt hätte)

Wann ich aufgehört habe hingegen, kann ich ganz genau datieren. Am 26. März 2002 um 22.30 Uhr habe ich die letzte Zigarette im Aschenbecher ausgedrückt.

Dass es wirklich die letzte war, daran habe ich damals nicht wirklich geglaubt. Zu oft hatte ich schon versucht aufzuhören und es mit Mark Twain gehalten der gesagt hat: „Mit dem Rauchen aufzuhören ist nicht schwer. Ich habe es selbst schon 100-MAL geschafft“

Und was habe ich nicht alles probiert. Mein erster Versuch war mit 18. Da habe ich mich akupunktieren lassen. 10 Minuten später musste ich ausprobieren ob die Zigaretten noch schmecken und ja das taten sie. Neben weiteren Versuchen das Rauchen mit Hilfe von Akupunktur aufzugeben, habe ich

*mich hypnotisieren lassen
* Das dünne und das dicke  Buch von Allen Carr Endlich Nichtraucher gelesen
* Den Kurs von Allen Carr besucht
* Mir irgendwelche merkwürdigen Substanzen ins Ohr spritzen lassen
* langsam reduziert (bis auf 5 Zigaretten am Tag)
* die Schlusspunktmethode ausprobiert

 Und heute, 7 Jahre später, als überzeugter und glücklicher Nichtraucher, kann ich eins sagen, die beste Methode hilft ohne den festen Willen aufzuhören gar nichts.

Mein fester Wille aufzuhören ist mit Sicherheit dem ständigen Quengeln meines Sohnes zu verdanken, der unbedingt wollte, dass ich aufhöre. Und so habe ich auch den Vorabend seines 8. Geburtstages als Ausstiegsdatum gewählt. In der einschlägigen Fachliteratur steht, man solle sich einen stressigen Zeitpunkt wählen, denn wenn man es dann schaffen würde, hätte man gute Chancen durchzuhalten. Und ein Jungen-Geburtstag mit 8-Jährigen zählt definitiv in diese Kategorie. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Auch diesmal ließ ich mich akupunktieren und zusätzlich habe ich in der 1. Woche noch Nikotinpflaster geklebt. Und siehe da, es hat gewirkt. Hatte ich mich in den letzten 25 Jahren durch nichts vom Rauchen abhalten lassen, weder durch Schwangerschaften, noch durch Krankenhausaufenthalte und Lungenentzündung, ist es mir diesmal geglückt. Am Anfang war es ein Hangeln von Tag zu Tag. Wann der Zeitpunkt kam, an dem ich nicht mehr darüber nachgedacht habe, dass ich ja jetzt rauchen könnte/müsste/sollte, ich kann es nicht mehr sagen.

Fakt ist, ich genieße mein Nichtraucherdasein ohne volle Züge zu genießen.

Auf dem Desktop habe ich seit dem 1. Tag ein kleines Programm von Silkquit liegen, dass mir vorrechnet wie lange ich schon nicht mehr rauche, wieviel länger ich nun lebe, wieviel Geld ich gespart und wieviele Zigaretten ich nicht geraucht habe. Hier nun meine persönliche 7 Jahres Nichtraucher Bilanz.

Seven years, 0 minutes and 1 second. 76710 cigarettes not smoked, saving 15.342,00 €. Life saved: 38 weeks, 8 hours, 30 minutes

 

Ob mir was gefehlt hat, ganz im Gegenteil…

Nichtraucherkampagne Lass stecken

Nichtraucherkampagne "Lass stecken"

Der folgende Text ist damals entstanden:

Ich muss nie mehr:

– 2 mal ins Haus zurückgehen um zu kontrollieren, dass die Zigarette auch wirklich aus ist
– nachts an die Tankstelle fahren, weil keine Zigaretten mehr im Haus sind
– während der Kinovorstellung raus rennen um zu rauchen
– hibbelig in einer Besprechung sitzen weil der Nikotinspiegel gefährlich absinkt
– dem Gesprächspartner nicht zuhören weil ich nur an die nächste Zigarette denke
– Rauchwolken im Büro ertragen
– den Aschenbecher stündlich leeren damit nur keiner mitbekommt wie viel ich wirklich rauche
– in Nichtraucherhaushalten erfrierend auf dem Balkon stehen
– das Essen nicht genießen können weil ich mir nicht zwischendurch eine anstecken kann
– das Gefühl beim Aufwachen ich hätte einen Aschenbecher ausgeleckt
– das Gefühl sich 30 mal am Tag vorsätzlich zu vergiften
– die Angst vor einem selbstverschuldeten, qualvollen Krebstod
– Tabakkrümel in Manteltaschen, Handtaschen, unter den Fingernägeln, zwischen den Zähnen, auf der Tastatur, auf dem Schreibtisch
– die panische Angst ein Bein amputiert zu bekommen
– zugrundegerichtete Kleidungsstücke durch herabfallende Zigarettenglut
– Nachts wach werden um zu rauchen
– Beim Betreten eines Raumes checken ob Aschenbecher auf dem Tisch stehen
– Das Zimmer im Hotel noch mal wechseln weil man versehentlich ein NR-Zimmer erwischt hat
– Feuerzeuge horten
– Am Strand die Kippen einsammeln die ich während des Sonnenbadens produziert hat

habe dafür aber:

– Kleider die nicht nach Rauch stinken
– ein Auto das nicht wie eine Kneipe nach durchzechter Nacht riecht
– mehr Luft in den Lungen
– einen ruhigeren Puls
– mehr Erfolg und Ausdauer beim Sport
– weißere Zähne
– besser durchblutete Haut
– ein jugendlicheres Aussehen
– weniger Falten
– ein geringeres Schlafbedürfnis
– einen irrer Stolz auf die errungene Leistung
– mehr Geld im Portemonnaie
– das Gefühl ein Vorbild für meine Kinder zu sein
– eine höhere Konzentrationsfähigkeit
– mehr Geschmack im Essen
– mehr wahrgenommene Gerüche
– leistungsfähigere Muskeln
– deutlich weniger Kopfschmerzen
– mehr Gesundheit
– das Gefühl wenn ich es geschafft habe mit dem Rauchen aufzuhören gibt es für mich nichts mehr was wirklich unmöglich ist

Verzichten muss ich auf:

– nächtlichen Erstickungsanfälle
– nach Rauch stinkenden Klamotten
– Selbstverachtung
– nikotinverschmierte Autoscheiben
– Nikotinflecken an den Fingern
– gelb verfärbte Zähne

 Es ist tatsächlich möglich

– Mahlzeiten zu sich zu nehmen ohne danach zu rauchen
– Zu telefonieren ohne zu rauchen
– Zu diskutieren ohne zu rauchen
– Autofahren ohne zu rauchen
– Traurig zu sein ohne zu rauchen
– Glücklich zu sein ohne zu rauchen
– Gestresst zu sein ohne zu rauchen
– Fernseh schauen ohne zu rauchen
– Zu lesen ohne zu rauchen
– Sich zu konzentrieren ohne zu rauchen
– Zu warten ohne zu rauchen
– Neue Leute kennen zu lernen ohne zu rauchen

Mit diesem doch sehr lang geratenen Text möchte ich allen Noch-Rauchern Mut machen. Wenn ich es geschafft habe, kann es jeder schaffen. Ihr müsst es nur wirklich wollen.

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