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Beginnen wir mit dem Ende bzw. mit dem letzten Vortrag im Rahmen des Zukunftskongress 2009. Referent war Paul Kohtes, Zen-Lehrer, Autor und Gründer der PR-Agentur PLEON Kohtes Klewes. Seine These: Weg von der Spezialisierung, die nur einsam macht und die graue Gehirnmasse so mit Beschlag belegt, dass für Kreativität und Erforschung von Neuem kein Platz mehr bleibt und hin zur Distanzierung, die hilft, zu neuen Ufern zu kommen. Wichtig ist eine klare Orientierung ohne Fixierung. Manager von heute sind zu sehr auf Funktionieren ausgerichtet. Zuverlässig, ehrgeizig und eigene Bedürfnisse hintenanstellen, dabei handelt es sich um Auslaufmodelle. Von der Ver-wicklung zur Ent-wicklung ist die Lösung.

Die Vorträge des ganzen Tages waren so zusammengestellt, dass sie auf die Forderungen von Paul Kohtes perfekt abgestimmt schienen. Zwar waren alle Redner mit Sicherheit die gescholtenen Spezialisten, aber Spezialisten, die es nicht verlernt haben, die Dinge übergreifend zu betrachten.

Sei es der Physiker Vince Ebert, der als Wissenschaftskabarettist das Plenum am Vor- und Nachmittag mit seinen klugen Bonmots erfreut hat (viele davon nachzulesen in: Denken Sie selbst) oder der Innovation Ambassador von Henkel Jens Bode der aus dem Nähkästchen pardon aus der Waschmaschine von Henkel plauderte und verriet wie bei Henkel die wahren Bedürfnisse der Kunden eruiert werden. 

Spannend wie Henkel mit seinen Kunden und einem Innovationsteam zusammen neue Produkte entwickelt. Die Strategie die Jens Bode darlegt zeigt, dass Markenerfolg nicht eben mal so aus dem „Henkel“ geschüttelt wird, sondern einer durchdachten Strategie folgt. Ob es die Beobachtung der Arbeitsgewohnheiten von Kunden in der Küche ist, oder die Henkel Manager, die mit angeschnalltem Schwangerenbauch Bäder putzen müssen. Kundenorientierung steht im Mittelpunkt. Und wenn zum Schluss die Ergebnisse und Entwicklungen von den Kunden zerpflückt werden dürfen, ist das mit Sicherheit ein Garant ein Top Produkt zu entwickeln. So wird ein Großteil des Umsatzes bei Henkel mit Produkten gemacht die nicht älter als 3 Jahre sind.

Insgesamt ein spannender Vortrag und keine Selbstdarstellung wie man das im Allgemeinen geboten bekommt wenn Unternehmensvertreter referieren.

Andreas Haderlein berichtete vom „Crowdsourcing der Zukunft“ und was Netzwerke erfolgreich macht. Netzwerke funktionieren nur, wenn sich die beteiligten Akteure einen Ruf erwerben können und wenn sie den Akteuren einen entscheidenden Mehrwert außerhalb des Internet liefern. Als kleine Demonstration für die Intelligenz der Crowd lässt er uns, nach Beratung mit dem Sitznachbarn, den Inhalt einer 500 ml Dose gefüllt mit Bohnen schätzen. Und oh Wunder, die Crowd liegt ziemlich richtig.

Im Punkto Netzwerk hinken wir in Deutschland ganz schön hinterher. Sind in Brasilien ca 80% der Internetnutzer in sozialen Netzwerken so sind es in Deutschland mal gerade 28%.

Der neue Trend Online organisieren – offline treffen.

Verblüffend auch die Daten und Fakten die Christopher Schläffer, Group Product & Innovation Officer der Deutschen Telekom präsentierte. Seit der 1. Mobilen Funkverbindung 1983 hat sich in diesem Markt bahnbrechendes bewegt. Heute besitze das iPhone die Speicher- und Rechenkapazität der kompletten Apollo Mission und zwar sowohl im All als auch auf der Bodenstation. In 10 Jahren werden wir  in jedem Haushalt Verbindungen von 12.000 Megabit/sec haben (zu heute 3) und 4 Milliarden Menschen werden in 3 Jahren mobile Telefone besitzen.

Nach diesem Einblick in die Mobilfunkwelt und in Open source System, auf die der Redner auch noch detailliert einging, sprach Jeanette Huber vom Zukunftsinstitut über C(r)ash Creativity.

Sie beleuchtete die Motivation der Menschen beim Discounter einzukaufen. Die reine Preisfrage und Ersparnis ist zu kurz gesprungen, vielmehr kommen Faktoren wie:

  • Sportliche Schnäppchenjagd
  • Überforderung
  • Misstrauen
  • Suche nach Erdung

zur puren Notwendigkeit beim Discounter einzukaufen, hinzu.

Die neuen Schlagworte sind Liberté, Egalité, Portemonnaie.

Gutes Design und günstige Preise schließen sich nicht mehr aus, sondern gehen eine Verbindung ein. Der Verbraucher von heute hat eine hohe Design-Affinität. Die neue Mitte mag den Cheap Chic.

Aber was wäre der Kongress des Zukunftsinstituts ohne seinen Spiritus rector Matthias Horx, der Einführungs- und Abschlussvortrag hielt.

Orientierung in der Krise war der Titel des ersten Vortrags. Krisenfreiheit ist in der Evolution nicht vorgesehen. Zitat Max Frisch: Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. „Eine wirtschaftliche Neuordnung entsteht immer nur durch Krisen. Weil es sonst keinen Grund für Neuordnung gibt.“

Anhand von mehreren Krisen im Laufe der Jahrhunderte zeigt Horx deutlich deren Entwicklungspotentiale auf, so wie bei der Tulpenblase in Holland 1637, die dazu führte, dass die Holländer zu den schnellsten Pflanzenzüchtern der Welt wurden.

Mit Charts von Gapminder führte er sehr deutlich vor Augen, wie positiv sich die Globalisierung nicht nur auf die 1. Welt ausgewirkt hat, wie Lebenserwartung und Jahreseinkommen in allen Teilen der Welt gestiegen sind. So ist alleine die Mittelschicht in China seit 1950 um 500 Millionen Menschen gewachsen. Im Jahr 2035 wird sich die Zahl der Hungernden halbiert, die Zahl der der Wohlständigen verdreifacht haben.

Der Abschlussvortrag von Horx stand unter dem Titel: Glücklicher Kapitalismus.

60% der Deutschen und Österreicher glauben, dass die Zukunft schlechter sein wird als die Gegenwart. Ihnen gegenüber stehen 90% Afrikaner die glauben, dass sie besser wird.

Der HPI der Happy Planet Index errechnet sich aus dem Glücksempfinden geteilt durch den ökologischen Fußabdruck. Glücklichstes Land der Erde ist eine kleine Insel mit Namen Vanuatu, gefolgt von Kolumbien. Deutschland liegt auf Platz 81, Russland auf 172.

Glücklich macht nicht hohe Arbeitsplatzsicherheit und frühe Rente, ganz im Gegenteil. Längere Arbeit steigert die Lebenszufriedenheit und die Verantwortung für den eigenen Arbeitsplatz, gepaart mit einem hohen Bildungsstandard, das sind Faktoren die glücklich machen.

Alles in allem ein Kongress der sich wirklich gelohnt hat, ist diese Zusammenfassung doch nur eine rudimentäre Zusammenfassung des Gesagten. Ich kann nur empfehlen im nächsten Jahr auf alle Fälle dabei zu sein.

Mit Dank an @SueWestCom deren Tweets, neben meinen handschriftlichen Aufzeichnungen (ich weiß very 1.0) und meinen Tweets als @ApfelMuse meiner Erinnerung nochmals auf die Sprünge geholfen haben.

Wer über spannende Themen der Zukunft auf dem laufenden bleiben will, dem empfehle ich den Podcast des Zukunftsinstituts, konzipiert und gesprochen mit Andreas Haderlein. Ich bin mir sicher, dass in den nächsten Tagen Ausschnitte der Vorträge zu hören sein werden.

Einen Pressebericht über den Zukunftsinstitut findt ihr hier

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