Vor einer Woche ging er zu Ende, der Wissenschaftssommer 2009. Laut Veranstalter haben sich mehr als 40.000 Menschen für die Themen Wissen und Zukunft interessiert und die verschiedenen Veranstaltungen, Vorträge und Ausstellungen besucht. Ich war alleine an 4 Tagen vor Ort und habe es in der letzten Minute auch noch geschafft, mich im Zukunftsschiff über unser Leben im Jahr 2030 zu informieren.

40.000 Menschen, das hört sich erstmal nach sehr vielen Besuchern an. Bedenkt man aber, dass es im Saarland alleine 110.000 Schüler gibt, dazu noch 15.000 Studenten, dann erscheint die Zahl doch in einem etwas anderen Licht. Ganze Heerscharen von Klassen hätten die Zeltstadt auf dem Tiblisser Platz stürmen müssen. Leider Fehlanzeige. Die Klasse meines Sohnes ist statt dessen lieber nach Heidelberg gefahren und hat sich dort das Schloss angesehen. Nichts gegen das Schloss und die altehrwürdige Unistadt, aber die steht nächstes Jahr immer noch, der Wissenschaftssommer wird so schnell nicht mehr im Saarland gastieren. Naja dafür ging der diesjährige Wandertag ja zu Mc Donalds (einmal mit dem Zug in den Nachbarort, zu Mc Donalds „gewandert“ und wieder nach Hause). Irgendwas läuft hier doch schief, oder?

Aber zurück zum Wissenschaftssomer. Eine rundum gelungene Veranstaltung. Ich habe viel dazugelernt in den Vorträgen von:

Prof Dr med W. Feiden, Direktor des Instituts für Neuropathologie:

BSE, Prionen und Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung. Vergessen,verdrängt oder überwunden?

Vieles in dem Vortrag war für mich nicht neu, was nicht ganz verwunderlich ist, habe ich mich 1999 – 2000 doch sehr intensiv mit Scrapie, BSE, TSE und Kuru befasst. Danach ist auch bei mir das Interesse erlahmt. Hatte ich 2000 noch eine Statistik über befallene Kühe geführt, so war ich bei der Frage des Prof wieviele Fälle es aktuell in D gibt, überfragt. Geschätzt habe ich 30, in Wirklichkeit ist es 1. Das Problem scheint also aus der Welt. Die Inkubationszeit von 20 Jahren (von der man heute ausgeht) für die Erkrankung an der vCJD (der neuen Version der Krankheit die vermutlich durch den Verzehr von infiziertem Material ausgelöst wird) auch vorbei und der signifikante Anstieg an Erkrankten ist ausgeblieben. Heute weiß man, dass nur Menschen mit einer bestimmten Genvariante gefährdet sind daran zu erkranken. Soweit hörte sich das Ganze nach Entwarnung an. In einem Gespräch nach dem Vortrag wurde es dann aber erst richtig spannend. In einem in The Lancet beschriebenen Versuch wird berichtet, dass infiziertes Hirnmaterial eines Hamsters, das mit Erde gemischt, 3 Jahre lang vergraben wurde nach dem Ausgraben immer noch infektiös war. Dies zusammengebracht mit dem Faktor, dass Tiermehl auch als Dünger Einsatz findet, drängt sich die Frage auf, ob nicht auch für diese Art der Verwendung eine Regelung geschaffen werden muss.

Dr. Andreas Woehr, Leiter der Radioaktivitaetsmessstelle und Strahlenschutzbevollmächtigter der Universitaet des Saarlandes:

Gute Strahlung − schlechte Strahlung: Wie gesund sind unsere Lebensmittel?

Gute Strahlen (Röntgen), schlechte Strahlen (Radioaktivität) eins ist beiden gemeinsam, der Mensch hat kein Sinnesorgan um Strahlung wahrzunehmen. In einem Parforceritt erklärte uns Dr Woehr die Welt der Strahlung, von der Historie über Zerfallszeiten bis zu den Folgen von Tschernobyl. Alle Saarländer wissen, dass die radioakive Wolke wie durch ein Wunder die französischen Grenze respektiert hat und von ihr aufgehalten wurde. Dies wurde damals zumindest in Frankreich behauptet. Fakt ist, dass die radioaktiven Wolken vor allem im bayrischen Wald und über der Pfalz abgeregnet haben. Daher ist auch saarländisches Wildschwein weniger belastet als seine Pfälzer Kollegen (als Saarländerin enthalte ich mich jetzt allen Witzen die mit Schweinen, Verseuchung und Pfälzern gemacht werden könnten).

Die Frage: Wie gesund sind unsere Lebensmittel konnte Dr Woehr in Hinblick auf Radioaktivität positiv beurteilen und zog folgendes Fazit:

  • Die Lebensmittel, die aus heimischen Anbau stammen sind unbedenklich zu genießen.
  • Importierte Lebensmittel werden stichprobenweise kontrolliert, nachdem sie in die Bundesrepublik eingeführt wurden.
  • Im Falle eines Falles gibt es ein gut funktionierendes Meßnetz, das eine Belastung der Lebensmittel feststellt.

Und auch auf die radioaktiv verseuchten Holzpellets, von denen die Presse im Moment berichet, sind wohl in Deutschland kein Problem. Deutsche Pellets sind nicht belastet, die verseuchten stammen aus Wäldern die zum Zeitpunkt des Tschernobyl Unglücks noch sehr jung waren.

Dem Vortrag von Prof Dr Wolfgang Kraus: Wie Maria zur Jungfrau wurde: Zur Geschichte des Bibeltextes habe ich einen eigenen Blogeintrag gewidmet.

Bleibt als letzter in der Reihe noch der Vortrag von:

Prof. Dr. Christian Scholz vom Institut für Managementkompetenz:

Die neue Arbeitswelt: Wovor wir wirklich Angst haben sollten!

Gleich zu Anfang relativierte er den Titel des Vortrags, der sich mehr mit der Zukunft der Arbeitswelt und den Möglichkeiten beschäftigen sollte, als mit Ängsten, die nur am Rande gestreift wurden.

Prof. Scholz stellte die Saarbrücker Formel vor. Mit dieser wurden vor 2 Jahren die Dax 30 Unternehmen untersucht mit dem Ergebnis, dass das einzige Unternehmen das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sehr bald Schwierigkeiten bekommen sollten die Hypo Real Estate war. Die Ergebnisse wurden teils mit Verärgerung, teils mit Spot aufgenommen, wirklich geglaubt wurden sie zum damaligen Zeitpunkt wohl nicht. Aber dies ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Die Antwort ist sowieso in jedem Fall 42. (Der Prof ist nämlich wie ich ein großer Hitchhiker Fan)

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