Der Höhepunkt einer jeden Woche ist der Sonntag. Nicht weil ich da nicht arbeiten müsste oder ausschlafen könnte, sondern weil ich 1. in aller Ruhe und solange ich will laufen gehen kann (laufen gehen, im Deutsch Aufsatz würde jetzt Ausdruck in rot und mit Ausrufungszeichen am Rand stehen) und weil ich 2. jede Menge Zeit für meine geliebte Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung habe. Bevor ich dieses Kleinod an Schreibkunst und Gestaltung allerdings aufschlage, mache ich seit Dezember, die treuen Leser meines Blogs und die Verfolger von @ApfelMuse wissen Bescheid, ein Foto der Zeitung in wechselndem Umfeld.

Heute nun war ich bei einer Lesung. Und nein, nicht bei irgendeiner Lesung. Autor war der von mir sehr geschätzte Feuilleton Redakteur der FASZ Nils Minkmar, der aus seinem Buch: „Mit dem Kopf durch die Welt“ vorlas und im Anschluss mit Heiko Maas darüber diskutierte.

Natürlich konnte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen mein FASZ-Sonntagfoto diesmal mit Human Touch zu pimpen, hatte ich doch „Zugriff“ auf einem waschechten Journalisten ebendieses Blattes. Durch die Vermittlung von Ulrich Commercon war Nils Minkmar bei meinem Eintreffen schon gebrieft und hat sich freundlicherweise bereit erklärt, für mich, die 0815 Bloggerin vom Land, mit Zeitung zu posieren.

Nils Minkmar mit FASZ im Rathaus Saarbrücken

Nils Minkmar mit FASZ im Rathaus Saarbrücken

Nach ausführlicher Lesung, u.a. wie er die Asche seines Großvaters entsorgte (die Passage mir der ich im Buch die größeren Probleme habe) über die Erfahrungen anlässlich des Bush Besuchs in Heiligendamm, stellte er sich Publikum und Heiko Maas zur Fragerunde.

Leider war im voll besetzten Rathaussaal nicht alles zu verstehen, zwei Bonmots möchte ich hier aber wiedergeben, wenn auch nur sinngemäß, nicht wörtlich:

„ Das ganze Land spielt Theater. Die Autos mit denen die Leute im Urlaubsstau stehen wurden über die Abwrackprämie finanziert, der Urlaub wird auf Pump gemacht und zuhause wartet die Kurzarbeit.“

Und: „Manchmal wünscht man sich in der Politik eine Art TÜV.“

Danach wurde noch viel über die Krise parliert und über die Rolle der Wirtschaft. Und hier kommt nun meine Bitte. Könnte mal bitte jemand bei den vielen Diskussionen über die Krise und ihre Auslöser unterscheiden zwischen Konzernen und Mittelstand? Hat schon mal jemand wahrgenommen, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen Managern und Unternehmern? Natürlich gibt es auf Seiten der Konzerne und Banken „Gute“ und mit Sicherheit gibt es „Böse“ im Mittelstand und bei den Unternehmern. Aber ich möchte doch eine Lanze brechen für ganz stink normale Unternehmer wie mich, die sich einbilden mit Mitarbeitern, Kapital, Umwelt und Moral verantwortungsvoller umzugehen, als diejenigen die Auslöser der Krise waren und bis heute NICHTS dazu gelernt haben, sondern weltweit, und von den Regierungen ungestraft, so weitermachen wie bisher.

Der von Herrn Minkmar geforderte TÜV für die Politik würde der Wirtschaft daher auch nicht schaden.

Im Übrigen kann ich das Buch von Nils Minkmar nur wärmstens empfehlen. Wundervoller Schreibstil, gepaart mit Loriothafter Beobachtungsgabe und gespickt mit Bonmots, ist es von der ersten bis zur letzten Seite ein Vergnügen zu lesen.

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