Bei Religion hört bei mir der Spaß auf. Zumindest meistens. Es gibt eben Dinge die mir heilig sind, und Religion gehört definitiv dazu. Andererseits bin ich kein Freund von Dogmen. Als ich bei Twitter von der neuen Weltreligion hörte, stellten sich mir erst mal alle Nackenhaare. Dass ich dem ganzen dennoch eine Chance gegeben habe, liegt daran, dass ich vom Religionsstifter (hier von einem Gründer zu sprechen wäre ja viel zu profan) gerade erst durch seine Aktion beim 31. Münchener Stadtlauf restlos fasziniert war. Kaj Arnö, ein Finnlandschwede in Bayern wie er sich selbst nennt, ist im Hauptleben Vice President MySQL Community bei Sun Microsystems Inc. Beim Stadtlauf in München hat er sich während des 21,1 km Laufs gefilmt, das Ganze auf YouTube hochgeladen und unter @kajarno getwittert. Jeder der schon mal bei einem derartigen  Massenevent mitgemacht hat, weiß, dass das Laufen an und für sich schon reicht. Ein paar Wochen später kommt dann über Twitter die Ankündigung, dass eine neue Weltreligion gegründet wird, der Runnismus. Das Licht der Öffentlichkeit erblickte die Religion auf einem Twittwoch in München. Ein Video der Veranstaltung findet ihr hier.

Und wie es sich für eine halbwegs anständige Weltreligion gehört, gibt es natürlich auch Gebote pardon Beine. Zitat:

ligg_runnismus_religion_des_aufens

Die Sieben Beine des Runnismus bilden das Glaubensbekenntnis der Religion des Laufens.

Ein wahrer Runnist

  1. genießt das Leben in vollen Zügen
  2. schätzt langfristige Gesundheit
  3. sieht ein, dass Wohlbefinden Opfer verlangt
  4. kämpft nur gegen sein früheres Selbst
  5. verbessert sich allmählich, nicht ruckartig
  6. mag manchmal Schmerzen fühlen, leidet aber selten
  7. sieht das Laufen als Gabe, nicht als Pflicht

Der Runnismus betet das körperliche Wohlbefinden an.

Und warum Weltreligion? Also: „Weltreligion, weil das Laufen allen gut tut und weil Laufen uns als Menschen über Landesgrenzen und Sprachen hinaus verbindet.“

Tja, ein zwingendes Argument. Egal in welchem Land ich bisher gelaufen bin, wenn ich einem anderen Läufer begegne erntete ich zumindest ein Lächeln.

Mit einem Augenzwinkern kann ich also über den blasphemischen Ansatz hinwegsehen und mich mitten hinein stürzen ins Runnismus Vergnügen, pardon die Religion.

Wie alle Religionen sollte man aber auch hier Maß und Ziel kennen. Meine Tipps also für Runnisten und solche die es werden wollen:

  • Nicht missionieren. Auch andere Religionen haben ihre Daseinsberechtigung und sind im Zweifel schon älter als 14 Tage
  • Neulinge langsam an die neue Religion heranführen. Den Novizen nicht gleich auf eine 5 km Strecke ins Gebirge mitnehmen.
  • Geschwindigkeit ist nicht alles. Entlehnt aus einer anderen Religion: „Die letzten werden die ersten sein“
  • Nicht die schicksten Laufklamotten machen dich zum guten Runnisten. Auch die Brüder in Aldi Turnschuhen kommen in den Läuferhimmel (wenn sie beim Chirurgen fertig sind)

Ich habe in meinem persönlichen Umfeld mehrere Menschen die könnten aus dem Stand Priester dieser neuen Religion werden, versenken sie sich doch stundenlang jeden Tag darin. Ich bin und bleibe nur eine bescheidene Anhängern dieser „Religion“, die sich redlich bemüht, ihrem Ruf mindestens 2-mal die Woche Folge zu leisten.

Und noch eine Parallele zu den üblichen Religionen: Vor dem Besuch von Gottesdiensten versucht mein innerer Schweinehund mich genauso regelmäßig abzuhalten, wie vor dem Schnüren der Laufschuhe und damit dem frönen des Runnismus.

Für weitere Infos folgt doch einfach @runnismus auf Twitter

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