In unseren Breiten ist er vor allem für eins bekannt, für die Hauptfigur in seinen Krimis: Father Brown. Die Rede ist von Gilbert Keith Chesterton, britischer Journalist und Buchautor. Und witziger weise ist es auch ein Pastor, dem Eppelborn am heutigen Donnerstagabend einen kulturellen Höhepunkt zu verdanken hat. Vorgestellt wurden 2 Bücher: „Der unsterbliche Mensch“, ein in den letzten Jahren vergriffenes Meisterwerk und eine Sammlung von Essays mit dem Titel „Die englische Weihnacht“. Beide Bücher gäbe es ohne Matthias Marx, Pastor von Eppelborn, ausgewiesener Experte von Chesterton und glühender Fan, nicht. Beide hat er auf dem „Gewissen“. Bei „Der unsterbliche Mensch“ in der Initiierung der Neuauflage und dem Schreiben eines Nachwort zur Wirkungsgeschichte. Bei den Essays für die Zusammenstellung der Texte und als Herausgeber.

Zur Vorstellung der Bücher reiste Dr Alexander Kissler an, der zurzeit auf der Frankfurter Buchmesser sein neuestes Werk „Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet“ vorstellt. Auch er, der Journalist und Buchautor ist ein ausgesprochener Chesterton Kenner und Fan. Chesterton habe ihn als er sein Buch: „Der aufgeklärte Gott. »Wie die Religion zur Vernunft kam“ beim Kampf mit den Neoatheisten vor allem mit seinen beiden Büchern „Ketzer“ und „Orthodoxie“ „beigestanden“. Die Verehrung von Chesterton geht sogar so weit, dass die hinter ihm fahrenden Autofahrer die Chance haben durch das Lesen eines Aufklebers mit Chesterton Zitat:

“Break the Conventions
Keep the Commandements“

den richtigen Weg gewiesen zu bekommen.

In seiner Vorstellung von Chesterton bezeichnet er ihn als einzigartige Mischung von Glaubensstrenge, Streitlust, Gedankentiefe und unerschütterlichem Optimismus. Er zwinge Dinge zusammen, die nicht zusammen gehörten und arbeite unentwegt mit Paradoxa.

„Der unsterbliche Mensch“ wurde von Chesterton als Antwort auf die atheistische Schrift von H.G. Wells: „Die Geschichte unserer Welt“ verfasst. Wie Wells beginnt er bei den Neandertalern in den Höhlen, die nach Chestertons  Auffassung aber Künstler sind, was sich ja zweifelsfrei an den Wandmalereien beweisen lässt, im Gegensatz zur Mordtheorie von Wells, nachdem sich die Männer im Kampf um die Frauen mit einem Knüppel die Schädel eingeschlagen haben.

Chesterton: „Nur der Mensch kann sich Gedanken darüber machen ob er ein Affe ist“ und „Bäume haben keine Dogmen“

Alleine die weitere Besprechung dieses Buchtitels wäre einen Blogpost wert.

Nach dieser ausführlichen und sehr unterhaltsamen Vorstellung von Chesterton als Mensch und der  Einführung in „Der unsterbliche Mensch“, lieferten sich Journalist und Pfarrer eine intellektuelle Redeschlacht.

Die beiden glühenden Verehrer des „Titans der Gedanken“ (Kissler) spielten sich an dem Abend die Chesterton Bälle nur so zu. Im Mittelpunkt die besprochenen Bücher. Und im Überschwang der Gefühle hätten die beiden ihn am liebsten zur Ehre der Altäre erhoben.

Den über 90 Zuhörer im Eppelborner Pfarrsaal machte es sichtlich Spaß 2 Menschen zuzuhören, die beide offensichtlich an der „Krankheit selber zu denken“ (Chesterton) leiden.

Umrahmt wurde die Buchvorstellung von einem Mittelalterensemble die an Hackbrett und Leier und stimmgewaltig englische Volksweisen zum Besten gaben und mit humorvollen Einlagen unterhielten.

Resümee: Es war ein mehr als gelungener Abend, der -ich strapaziere dieses Wort nur ungern, finde aber kein treffenderes- nachhaltig zum Denken angeregt hat und Lust gemacht hat, diesen in Deutschland zu Unrecht vergessenen Schriftsteller wiederzuentdecken.

Psst: Alexander Kissler twittert auch: @Dummgeglotzt

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