Ich hör ein Herz das tapfer schlägt

In einem Menschen den es noch nicht gibt

Doch dessen Ankunft mich schon jetzt bewegt

Weil er erscheint und seine Feinde liebt

Hanns Dieter Hüsch

Die folgende wundervolle Geschichte habe ich auf der Seite von gott.net gefunden und veröffentliche sie mit deren freundlicher Erlaubnis. Es gibt sie übrigens auch zum Verschenken als kleines Büchlein.

Die Weihnachts-Ameise

Sebastian stand im Wohnzimmer vor der Weihnachtskrippe und kaute auf seiner Unterlippe. Das tat er immer, wenn er intensiv nachdachte. „Du, Vater, warum wird Gott an Weihnachten ein Baby?“

„Wie?“ Überrascht sah der Vater auf.

„Warum wird Gott ein Baby?“ Sebastian blieb beharrlich bei seiner Frage.

„Ja, weißt du, ich glaube, Gott wollte den Menschen nahe sein, er wollte, dass sie ihn verstehen…“

„Als Baby?“ Sebastian schüttelte den Kopf. Wenn Gott wollte, dass die Menschen ihn besser verstehen, dann hatte er sich keinen guten Weg ausgewählt. Was sollte da ein kleines Kind!

Vater hatte sich inzwischen gefangen. „Ich habe da mal eine Geschichte gehört, mit der man das vielleicht etwas besser verstehen kann. Mal sehen, ob ich sie noch zusammenbekomme“.

Sebastian kletterte auf Vaters Schoß und blickte ihn gespannt an.

„Also, ich glaube, die Geschichte ging so:

Eines Tages war der alte Lord mit seinem Sohn in den Wald gegangen. Sie schritten zwischen den mächtigen Bäumen hindurch. Der Lord hatte beschlossen, alle fällen zu lassen. Schon bald würde man hier das Klingen der Äxte und die Rufe der Arbeiter hören. Dieser Wald hatte seine Zeit gehabt. Alles würde hier neu werden.

Der Sohn war vor einem Ameisenhaufen stehen geblieben. Interessiert beobachtete er das emsige Treiben der kleinen Tierchen. Alle waren sehr beschäftigt. Einige schleppten Tannennadeln, andere Steinchen, die größer waren als sie selbst. Wieder andere liefen nur hin und her und man konnte nicht erkennen, was ihre Aufgabe war.

„Was wird mit den Ameisen hier passieren?“ Der Sohn sah zu seinem Vater auf.

„Auch für sie wird es ein Ende haben, wenn wir den Wald schlagen.“

„Aber das müssen wir ihnen doch sagen!“

Der Lord lächelte. „Ihnen sagen?! Wie wollen wir den Ameisen sagen, dass es mit dem Wald und mit ihrer kleinen Welt, mit ihrem Ameisenhaufen, zu Ende geht?“

„Ich weiß es!“, rief der Junge aufgeregt. Er hatte einen großen Stein entdeckt, den er hochhob und mitten in den Ameisenhaufen fallen ließ.

„Was tust du da!“, rief der Lord. „Du zerstörst ja alles!“

„Nicht alles. Ich weiß, es ist eine Katastrophe für sie. Aber ich muss ihnen doch irgendwie sagen, dass Gefahr besteht!“

Auf dem Ameisenhaufen war inzwischen die Hölle los. Wie sinnlos liefen die kleinen Tiere hin und her. Der Stein war tief in den Ameisenhaufen eingesunken.

„Ich bin gespannt, was jetzt passiert“, interessiert beobachtete der Junge die Tiere.

„Komm lass uns weitergehen“, drängte der Lord. „Auf dem Rückweg können wir hier noch einmal vorbeikommen.“

Zögernd ging der Junge mit. Als die beiden nach geraumer Zeit wieder zum Ameisenhaufen kamen, hatte sich die Aufregung dort schon gelegt. Von den Zerstörungen war kaum mehr was zu sehen. Der Stein war eingebettet in die Ameisenwelt. Das Ameisenleben ging wieder seinen gewohnten Gang.

„Sie haben nichts begriffen!“, rief der Junge aus. „Alles ist wie vorher!“ Nach einer Weile meinte er leise: „Wahrscheinlich müsste ich eine Ameise werden, damit sie verstehen, was ich ihnen sagen will.“

Der Lord sah ihn fragend an.

„Ich müsste ganz klein werden. Einer von ihnen. Müsste ihre Sprache sprechen, in ihrer Welt leben.“

„Ja“, der Lord nickte. „Das wäre wahrscheinlich die einzige Möglichkeit. Aber ob sie dir dann glauben würden? Ob sie dir glauben, dass du mein Sohn bist, und ob sie dir glauben, dass du weißt, was mit dem Wald und mit ihrer kleinen Welt passiert?“

„Man müsste es versuchen“, sagte der Junge.

„Man müsste es versuchen“, nickte der Lord.

Aufatmend lehnte sich der Vater im Sessel zurück.

„Ich hätte es auch versucht“ sagte Sebastian.

„Ja, ich weiß.“ Der Vater lächelte. „Gott hat es versucht. Er wurde so klein wie ein Mensch und lag eines Tages als neugeborenes Baby in der Krippe. Er wollte, dass wir ihn verstehen. Und“, fügte er ernst hinzu, „nur wer glaubt, dass das Kind in der Weihnachtskrippe Gottes Sohn ist, wird ihn verstehen und – was noch wichtiger ist – wird ihn ernst nehmen.“

Sebastian war aufgestanden und zur Weihnachtskrippe gegangen, um sich noch einmal das Jesuskind anzusehen. Deshalb wurde Gott ein Baby. Wir waren ihm nicht gleichgültig. Er hatte uns etwas Wichtiges zu sagen. Langsam begann er zu begreifen, was Weihnachten wirklich war.

Nach einer alten Geschichte erzählt von Dieter Kohl.

Die folgende kurze Videosequenz ist aus dem Pasolini Film: Das 1. Evangelium – Matthäus. Ich finde diesen in sehr kargen Bildern gehaltenen Film, mit Laienschauspielern gedreht und nur mit biblischen Texten auskommend unglaublich intensiv und bewegend.

Und natürlich darf auch ein Weihnachtslied nicht fehlen. Nachdem jahrelang Adeste Fideles mein Lieblingslied war ist mir in dieser Adventszeit „Hark the Herald Angels sing“ sehr ans Herz gewachsen

Euch allen die mich durch die Adventszeit begleitet haben, ob als stille Leserinnen und Leser  oder als fleißige Kommentatoren möchte ich herzlich danken und Euch ein gesegnetes Weihnachtsfest wünschen. Ein ganz besonderer Gruß geht an die Künstlerin, die die wundervollen Adventstürchen gestaltet hat, die jeden Tag hier im Blog und an Bachmichels Haus zu bewundern waren, Claudia Schramm. Ihren Blog lebe-weise möchte ich Euch ganz besonders ans Herz legen.

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