Komische Geräusche kommen aus meinem Keller. Für eine Maus zu laut, für einen Einbrecher zu leise. Ein herzklopfendes Nachgucken bringt es an den Tag: Im Brotbackofen sitzt ein junger Vogel, so wie es aussieht ein Falke. Eine herbeigerufene männliche Verstärkung fängt den jungen Greifvogel ein und entlässt ihn aus seinem Gefängnis ins Freie. Der Vogel fliegt auch gleich wieder zu seinen Geschwistern ins Nest, das sich am Haus schräg gegenüber befindet. Happy End. Denkste. Am nächsten Tag wieder Geräusche aus dem Keller, wieder ein Vogel im (glücklicherweise zurzeit nicht beheizten) Backofen. Same procedure, Vogel gerettet.

Aber wie man so schön sagt: Passiert es einmal ist es unwahrscheinlich, dass es ein zweites Mal passiert, aber wenn es zwei Mal passiert, dann garantiert auch ein drittes Mal. Um zu verhindern, dass immer wieder ein Vogel durch den Kamin in den Ofen rauscht, haben wir den Dachdecker bestellt, der ein Gitter auf dem Kamin anbringen soll. Davor liegt aber ein Wochenende, an dem wir verreisen wollen., Vorsichtshalber lassen wir daher die Klappe am Backofen offen, damit das Tier in dem engen Ofen nicht umkommt, sondern in die Kellerräume flüchten kann.

Sonntags abends zurückgekehrt führt mein erster Weg in den Keller. Alles ruhig. Vorsichtig öffne ich die Tür, mache kein Licht, spähe hinein und befinde mich Auge in Auge mit dem Falken. Regungslos sitzt er auf einem Kerzenleuchter und schaut mich unverwandt an. Bevor ich ihn befreie, muss ich unseren ungewöhnlichen Besucher diesmal unbedingt im Bild festhalten. Schnell die Tür geschlossen, Kamera geschnappt und abgedrückt. An Einfangen war allerdings dieses Mal nicht zu denken. Im Backofen ist der Vogel noch einigermaßen gut zu greifen, frei fliegend im Kellerraum ist dies jedoch nicht möglich. Ich öffne die Tür nach draußen und versuche, einen Bekannten  zu erreichen, der in puncto Tierschutz sehr erfahren ist und mir vielleicht helfen kann, den ungebetenen Gast zu befreien. Noch während des Telefonats wird mein Stoßgebet erhört: Der Falke fliegt zur Tür hinaus. Am nächsten Morgen kommt endlich das Gitter auf den Kamin und das Bungee-Jumping für Jungfalken hat ein Ende.

Vielleicht waren die Falken im Kamin ja auch nur eine Variante der amerikanischen Serie „Jackass“, und das Ganze war ein Deal unter Falken-Jungs, die sich gesagt haben: „Hey, machen wir doch mal eine Mutprobe und stürzen uns den Kamin in Bachmichels Haus herunter!“ Ob es jedes Mal der gleiche Vogel war oder jeweils ein anderes Mitglied der jungen Falkenfamilie lässt sich nicht sagen. Seitdem das Gitter auf dem Kamin ist, gibt es jedenfalls keinen „Vogelalarm“ mehr.

Bestimmt kennen sich meine Leser auch besser mit Greifvögeln aus und kann mir sagen, ob es sich bei dem Vogel wirklich um einen Falken gehandelt hat.

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