Bis 1994 gab es zwei Möglichkeiten  England mit dem eigenen Auto zu erreichen. Man musste sein Auto auf eine Fähre oder ein Hovercraft verladen. Die Fahrt dauerte an der schmalsten Passage zwischen Dover und Calais 1 Stunde 30 Minuten und kostet zwischen 100 und 250 € je nach Termin, Fahrzeug und Mitfahrern.  Je nach Jahreszeit kann das Ganze auch noch sehr stürmisch ausfallen und man kann den Anblick der Kreidefelsen in Dover nicht wirklich genießen.

Meine Schwester und ich auf der Fähre 1984

Wesentlich entspannter ist die Fahrt durch den Eurotunnel. Er führt von Calais nach Folkestone und verläuft unter der schmalsten Stelle des Ärmelkanals. Die ganze Fahrt dauert 35 Minuten, davon im Tunnel ca. 27 Minuten.Wer sich für diese Art der Passage entscheidet, sollte auf keinen Fall den Fehler machen, den ich beim ersten Mal gemacht habe. Einfach drauflosfahren und das Ticket vor Ort kaufen. Das wird teuer, sehr sehr teuer. Ich habe damals 400 € bezahlt.

Bucht man die Fahrt im Voraus übers Internet, variiert der Preis je nach gewählter Tageszeit für die einfache Fahrt zwischen 73 und 220€. Günstiger wird es, wenn man eine Zehnerkarte erwirbt. Die kostet 550 €, also 55€ für die einfache Fahrt, allerdings muss man bis zu 42 € Aufschlag bezahlen, wenn man zu einer verkehrsreichen Zeit fahren will.

30 Minuten vor der Fahrt muss man spätestens am Tunnel eingecheckt haben. Je nach Verkehr empfiehlt es sich, eine gute Stunde vorher anzukommen, denn die Staus vor dem Eincheckhäuschen können  viel Zeit kosten.

Zum Einchecken MUSS man die Kreditkarte dabei haben, mit der man gebucht hat. Diese wird in einen Automaten eingeführt, man bestätigt seine Daten und wenn man sehr früh da ist, und Glück hat, kann man einen früheren Zug erwischen. Die Anmeldeprozedur endet damit, dass man ein Ticket mit dem Buchstaben für den gebuchten Zug ausgedruckt bekommt, das man  an den Spiegel hängen muss.

Parkplatz Eurotunnel

Ist man erst mal auf dem Gelände des Eurotunnels, kann man in diversen Läden zollfrei einkaufen oder noch eine Kleinigkeit essen. Damit man die Abfahrt seines Zugs nicht verpasst, zeigen Displays an, welcher Buchstabe gerade auf den Zug verladen wird und auch Lautsprecheransagen machen darauf aufmerksam.

Während man auf die Zollabfertigung wartet, kontrollieren Sicherheitsbeamte die wartenden Autos. Mit einem Wattebausch wird über Lenkrad und Fahrertür gefahren. Ich habe mir sagen lassen, dass dadurch Sprengstoffreste identifiziert werden sollen.

Dann geht es zuerst zum französischen und dann zum englischen Zoll, wobei die Pässe meist nur von den Engländern kontrolliert werden, die gerne auch mal nachfragen, warum man einreist, und ob dies das eigene Auto ist und wann man wieder zurückfährt. Die Fragen kommen wie aus der Pistole geschossen und sollen wohl auch dazu führen, potentielle Attentäter zu entlarven.

Vor der Verladung

Nachdem man alle Formalitäten hinter sich gebracht hat, geht es zum Zug. Dabei handelt es sich um doppelstöckige, geschlossene Güterzüge, auf die die Autos verladen werden. Nach 5 – 7 Autos wird ein Abteil geschlossen, in jedem 3. Abteil befindet sich eine Toilette.

Im Zuginneren

Während der Fahrt kann man aussteigen, die meisten bleiben aber in ihren Autos sitzen. Vor der Abfahrt kommen dann noch die üblichen Sicherheitshinweise auf englisch und französisch, z.B. dass man nicht fotografieren darf, die Fenster während der Fahrt halb geöffnet sein müssen, welches Geräusch im Störungsfall zu hören ist und was dann zu tun ist (das nächste Abteil aufsuchen). Und dann geht es los. Die Fahrt an sich ist leise und angenehm, nur etwas warm wird es im Inneren des Tunnels, der an der tiefsten Stelle 40 Meter unter dem Ärmelkanal verläuft.

White Horse of Folkestone

Nach 35 Minuten ist die Fahrt vorbei und England heißt die Ankommenden willkommen mit dem wunderschönen Anblick auf die Silhouette eines weißen Pferdes. Inspiriert wurden diese Kalkfigur durch das 3.000 Jahre alte White Horse von Uffington.

Lange kann man sich allerdings nicht an diesem Anblick erfreuen, denn jetzt gilt es die volle Aufmerksamkeit auf den englischen Straßenverkehr zu lenken.

Auf der Rückreise, von Folkestone nach Calais geht es wesentlich entspannter zu. Gewartet habe ich dort vor dem Einchecken noch nie. Witzigerweise gibt es dort auch nur die Hälfte an Eincheckmöglichkeiten aber das Doppelte an Geschäften im Duty Free Bereich. Die Fahrzeuge werden so gut wie nie kontrolliert und die französischen Grenzbeamten haben sich noch nie für unsere Pässe interessiert.

Auch auf der Rückfahrt muss man sich wieder sehr auf den Verkehr konzentrieren. In Frankreich ist es mir schon mehr als einmal passiert, dass ich vor einem Kreisverkehr echt unsicher war, wie ich mich einzuordnen habe.

Kreisverkehr in F mit Tunnelbohrkopf

Alles in allem kann ich nur zur Nutzung des Eurotunnels raten. Bei uns hat es bisher immer hervorragend funktioniert und wir haben schon mehr als 20 Passagen hinter uns.

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