Es ist 10 Uhr morgens. Im Saarland feiert man am 15. August Maria Himmelfahrt und das Leben geht seinen beschaulichen Gang. Keine Tageszeitung im Briefkasten, leider auch keine FAZ, obwohl in Hessen doch kein Feiertag ist, alle Läden geschlossen, bis auf die örtliche Bäckerei.

Erinnert sich noch jemand daran, dass es bis 1996 ein Sonntagsbackverbot gab, und man von Brötchen auf dem sonntäglichen Frühstückstisch nur träumen konnte?

Davon hat der 3-jährige Knirps der mit seinem Vater heute Morgen an der Theke der Bäckerei stand logischerweise noch nie etwas gehört. Die einzige Bemerkung die er von sich gibt ist: „Ist ja fast nichts mehr da“. Der Vater sagt dazu gar nichts, nur ich kann mich nicht zurückhalten und sage zu ihm: „Naja wenn du das alles essen müsstest, dann würde dir aber ganz schön schlecht werden.“

Um mal zu verdeutlichen was in den Augen eines 3-jährigen NICHTS ist, liste ich hier mal die Auswahl auf, die heute Morgen um 10 Uhr, 1 Stunde vor Ladenschluss, noch in der Theke lag:

  • 5 Sorten Brötchen, davon 2 mit Körnern
  • Croissants in der Variation: Schoko, Nougat und Lauge
  • Diverse Kuchen: Streuselkuchen, Zwetschenkuchen und Cremekuchen
  • Laugenstangen und Brezeln
  • Diverse Kaffeestückchen

Die Verkaufstheke war zu mehr als der Hälfte gefüllt.

Mich hat dieser Vorfall echt aufgeregt, vor allem die Ignoranz des Vaters, der die Bemerkung einfach so im Raum stehen ließ. Ist es heute so selbstverständlich geworden, dass ich zu jeder Zeit frische Backwaren bekommen kann?

Das gleiche gilt auch für die Backtheke im Supermarkt. Oft komme ich erst kurz vor 20 Uhr dazu, noch Brot oder Brötchen fürs Abendessen zu besorgen. Und was liegt dann meist noch in den Regalen? Mindestens 20 Brote, ungezählte Brötchen und Kaffeestücken. Backwaren, die am nächsten Tag unverkäuflich sind. Regelmäßig stehe ich kopfschüttelnd davor. Einmal habe ich die Verkäuferin gefragt, warum sie um diese Uhrzeit noch eine derartige Auswahl anbieten. Die Antwort: „Weil die Kunden es so wollen“. Meiner Meinung nach kann ich froh sein, wenn ich kurz vor Ladenschluss noch Brot oder Brötchen bekomme, aber erwarten, dass ich eine Riesenauswahl vorfinde, das tue ich nicht. Menschen wie der Vater mit seinem Sohn vielleicht eher.

Wenn die am Ende des Tages übrig gebliebenen Backwaren dann wenigstens noch einer der vielen Tafeln oder sonstigen Organisationen zu gute kommen, die Lebensmittel an Bedürftige verteilen, dann finde ich das echt toll. Nur leider, leider sieht die Wirklichkeit so aus, dass das meiste davon auf dem Müll wandert. Vielleicht sollten Vater und Sohn sich mal den Film von Erwin Wagenhofer: „We feed the world“ ansehen.

Der von mir gewählte Ausschnitt zeigt einerseits das Dilemma der Bauer, die nichts mehr für ihre Produkte bekommen, und auf der anderen Seite den Wahnsinn, den sich die westliche Welt mit ihrer Wegwerfmentalität leistet:

 

Für meine Großeltern war es noch absolut undenkbar Brot wegzuwerfen. Es wurde gegessen und wenn es steinhart war. Aus alten Brötchen wurden Semmelknödel und Weckmehl gemacht. Wer macht sich heute noch diese Mühe?

Auf der englischen Seite: „Love Food hate waste“ kann man sich Anregungen holen was man mit den Resten, die man zu Hause hat, noch kochen kann, was man mit saurer Milch noch machen kann oder wofür man braun gewordene Bananen noch einsetzen kann.

Ganz anders mit dem Thema Lebensmittelmüll gehen Containerer um. Sie ernähren sich mit Lebensmitteln die sie aus den Containern von Supermärkten „entnehmen“. Einen sehr informativen FAZ Artikel findet ihr hier.

Weitere Infos zum Thema Lebensmittel im Müll findet ihr in diesem Beitrag des MDR

Zwischen all diesen Extremen muss es doch einen gesunden Mittelweg geben. Vielleicht in dem man einfach wieder anfängt Lebensmittel nicht als Wegwerfprodukte zu begreifen sondern tatsächlich als Mittel zum Leben. Sie gehören zu den wenigen Dingen des täglichen Lebens auf die wir definitiv nicht verzichten können. Denn was wir wegschmeißen, davon könnten an einem anderen Ort sich ganze Familien lange über Wasser halten.

Denken wir doch einfach beim nächsten Lebensmitteleinkauf daran.

Nachtrag: Markus Trapp hat ebenfalls einen sehr informativen Artikel über deu Umgang mit Ressourcen geschrieben: Wasser wird knapp und Lebensmittel werden weggeworfen

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